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Start Aktuelles Requiem für verstorbenen 1.Bürgermeister a.D. Herbert Hahn

Requiem für verstorbenen 1.Bürgermeister a.D. Herbert Hahn

Große Trauergemeinde nimmt Abschied v. 1. Bürgemeister a.D. und stellvertretenden Landrat Herbert Hahn

Predigt von Stadtpfarrer Thomas Vogl zum Requiem:

Wie ein Dieb in der Nacht nahm der Tod das Leben von Herbert Hahn, zu einer Stunde, in der es keiner erwartete, vor allem auch er selbst nicht. „Plötzlich und unerwartet“ – Worte, die die Tragweite des Geschehenen kaum beschreiben noch ermessen können. Wir wissen zwar, dass wir sterben müssen, dass jeden zu jeder Stunde der Tod treffen kann, aber wir leben nicht so. Es wäre auch fatal, wenn daraus eine ständige Todesangst mit uns ginge, die unser Leben und Handeln lähmen würde. Aber dennoch werden wieder einmal gewahr, wie vergänglich und zerbrechlich unser Dasein ist. „Unsere Tage zu zählen lehre uns, dann gewinnen wir ein weises Herz.“ (Ps 90) Auf dem Sterbebild von Herbert Hahn steht ein Wort des Propheten Jeremia: „Ich weiß, Herr, dass der Mensch seinen Weg nicht zu bestimmen vermag, dass keiner beim Gehen seinen Schritt lenken kann.“(Jer 10,23)

Es fällt es uns schwer, das anzunehmen, frei und selbst bestimmt wie wir sind oder sein wollen. Wir müssen planen, sorgen, arbeiten. Gott hat uns dazu als freie Wesen erschaffen und uns Talente gegeben. Aber wozu, wenn dann der Tod so einfach alles zunichte machen kann?

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Das Evangelium gibt uns eine Antwort: um bereit zu sein für Gott. „Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der es nicht erwartet.“(Lk 12, 40) Mag es auf den ersten Blick befremdlich erscheinen oder uns sogar ängstigen, aber es ist doch eine Zusage damit verbunden: der Menschensohn, der Auferstandene, der Herr über Leben und Tod umfängt uns zu jeder Stunde unseres Daseins. Gerade jetzt in unserer Trauer und Betroffenheit, in unserem Suchen und Fragen, was Trost und Halt geben könnte. Wir halten inne, sind nachdenklicher als sonst, werden sensibler für das, was wahr und echt ist. So schauen wir auf das Leben von Herbert Hahn und finden darin Spuren, die uns helfen, bereit zu sein.

 

Lebenslauf

Am 11. Oktober 1962 wurde Herbert Hahn als zweites Kind der Eheleute Maria und Willi Hahn in Waldsassen geboren. Er wuchs hier gemeinsam mit seinen Geschwistern Lorenz und Bettina auf, besuchte die Grundschule und anschließend das Stiftlandgymnasium Tirschenreuth, wo er 1981 das Abitur ablegte.

In Hof besuchte er die Bayerische Beamtenfachhochschule und schloss diese als Diplom-Verwaltungsfachwirt ab. Nach der Anstellungsprüfung für den gehobenen nichttechnischen Dienst wechselte er im Dezember 1984 vom Freistaat Bayern zur Stadt Waldsassen, wo er zunächst als Stellvertreter des Stadtkämmerers und ab 1988 als dessen Nachfolger tätig war. Nebenamtlich war er als Dozent und Prüfer an seiner früheren Ausbildungsstätte, der Bayerischen Beamtenfachhochschule in Hof, tätig.

1996 wurde er zum 1. Bürgermeister der Klosterstadt Waldsassen gewählt und übte dieses Amt 12 Jahre lang aus. Zudem war er seit fast 8 Jahren stellvertretender Landrat des Landkreises Tirschenreuth. Beide Ämter nahm er stets gewissenhaft und engagiert wahr. Unter den nicht einfachen Bedingungen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen dieser Jahre setzte er sich für das Wohl der Stadt Waldsassen, des Landkreises und der gesamten Region und ihrer Menschen mit Umsicht und Tatkraft ein. Die Nachrufe seiner politischen Weggefährten werden dies noch hervorheben und würdigen.

Er wusste um das nötige und sinnvolle Miteinander von Kirche und Politik, das im Stiftland einen wichtigen Faktor für zukunftsorientiertes Handeln darstellt und das Herbert Hahn als christlicher Politiker stets pflegte und förderte. So wie er seine politischen Ämter ausübte, so lebte er auch sein Christ sein. Oder besser gesagt: weil er sein Christ sein ernst nahm, konnte er so auch seine Ämter wahrnehmen: sachlich und konsequent, aber nie etwas vor sich her tragend; menschlich und hilfsbereit, mit einem offenen Ohr für die Sorgen und Nöte seiner Familie und die Menschen seiner Heimatstadt und des Landkreises.

Im Namen der beiden katholischen Pfarrgemeinden Waldsassen und Münchenreuth und der evangelischen Kirchengemeinde Waldsassen darf ich ihm ein aufrichtiges Vergelt’s Gott sagen für das gute Miteinander und alle Unterstützung in unseren Anliegen. Er war ein fairer und verlässlicher Partner. Er hatte hier in der Basilika eben auch seine geistliche Heimat, war Mitglied bei der Kolpingsfamilie und der KAB (die ihres verstorbenen Mitglieds in eigenen heiligen Messen gedenken werden), er feierte regelmäßig und selbstverständlich den Gottesdienst mit, nicht nur vor den Wahlen.

Seine über die politischen Ämter hinaus zahlreichen ehrenamtlichen Aufgaben werden in den Nachrufen noch erwähnt werden.

Auch auf dem Hintergrund dieses Engagements war es für ihn ein einschneidendes und schmerzliches Erlebnis, eine Niederlage bei der Stichwahl zum Landrat vor knapp zwei Jahren hinnehmen zu müssen. Wäre er damals nicht enttäuscht gewesen, hätte er selbst seine Kandidatur in Frage gestellt. Bei der daraus folgenden Amtsübergabe an seinen Nachfolger als 1. Bürgermeister in Waldsassen spürte ich, dass er nicht an einem Amt oder gar der Macht hing, sondern dass er einfach mit ganzem Herzen politische Verantwortung wahrnehmen wollte. Deshalb hat er sich auch weiterhin für seine Heimatstadt und den Landkreis eingesetzt. Vieles ist im Hintergrund geschehen, aber es ist eben geschehen. Engagement statt Rhetorik. (Seine kurzen, aber inhaltlich stets korrekten Grußworte und Reden waren bei allen offiziellen Veranstaltungen wohltuend und menschenfreundlich.) Manches ist auch nicht gelungen und auch er hatte seine Grenzen und Schwächen. Bei Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, wird das oft sehr schnell gesehen, kommentiert oder gar beurteilt. Gut, dass Gott darüber befindet und gut, dass wir uns für unser eigenes Leben und Handeln daran erinnern lassen dürfen. Hält mein Leben vor Gott stand?

 

Oft wurde in den letzten Tagen sein ausgleichendes Wesen dankbar hervorgehoben. Diese Gabe förderte er wohl auch dadurch, dass er selbst immer wieder den Ausgleich zu seinen beruflichen Pflichten suchte. Da er selbst unverheiratet und ohne Familie lebte, lagen ihm besonders seine Neffen und Patenkinder Sebastian und Andreas am Herzen. Gemeinsam mit ihnen teilte er das Hobby und die große Leidenschaft „Fußball“, ob es nun „sein“ Verein, der SV Waldsassen, war oder die Spiele beim FC Bayern München. Mit Freunden die knapp bemessene Freizeit zu verbringen, auch das gab ihm Kraft. So sollte es auch am vergangenen Wochenende wieder sein. Leider kam alles anders. Der plötzliche Herztod hat uns alle erschüttert. Die Familie möchte sich besonders bei Jürgen und Elisabeth Faltenbacher bedanken, die sofort Erste-Hilfe-Maßnahmen leisteten und sich dann vor Ort um alles kümmerten.

Ausgerechnet beim Schafkopfen verstarb er so plötzlich. Das Kartenspielen hat ihm so manche Last oder schwere Gedanken leichter gemacht. Dass er gerade bei seinem Lieblingshobby so plötzlich aus dem Leben scheiden musste, lässt seinen Tod noch bitterer erscheinen.

 

 

Tod, wo ist dein Sieg?

Karten spielen ist wie ein Gleichnis für unser Leben. Mit dem Blatt, das man in die Hand bekommt, muss man spielen. Mischen und geben, das ist zuallererst Gottes Sache. Das rechte Spielen ist unsere Sache. Gott gibt keinem alles und keinem nichts. Seit er aber seinen eigenen Sohn in das „Spiel“ dieser Welt und das Leben jedes Menschen hinein gegeben hat, hat der Tod keinen Trumpf mehr im Ärmel, er hat ausgespielt: „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ (1 Kor 15,55) Mag uns in diesen Tagen der Tod auch noch so mächtig erscheinen, er ist dennoch verschlungen vom Sieg des Auferstandenen über den Tod. Mit dieser Zuversicht nehmen wir heute Abschied von Herbert Hahn. Traurig und bestürzt, aber voller Dankbarkeit und Achtung. Vor allem aber mit der Gewissheit unseres Glaubens:

Das Vergängliche bekleidet sich mit Unvergänglichkeit, das Sterbliche mit Unsterblichkeit. Es wird das Leben gewandelt, nicht genommen.

Amen.

 

Bildquelle: CSU Ortsverband Waldsassen

 

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